Perry Rhodan im Comic

Im September 1961 erschien im Arthur Moewig Verlag, München, der erste Band der Romanheftserie „Perry Rhodan, der Erbe des Universums“. Konzipiert von Clark Darlton (Walter Ernsting) und Karl Herbert Scheer, entwickelte sich das Science Fiction-Epos in den sechziger und siebziger Jahren rasch zu einem der größten Verkaufsschlager innerhalb der damals noch recht bunten Trivialliteraturlandschaft der Bundesrepublik Deutschland. Was mit „Unternehmen Stardust“ damals eher unbedarft und bescheiden begann, gilt heute mit Recht als langlebigstes SF-Epos in der jüngeren Geschichte des literarisch-phantastischen Genres. Seit 1971 gibt es neben der zeitweise wöchentlich parallel in mehreren Auflagen erscheinenden Heftserie eine eigene Taschenbuchreihe, seit 1978 sogar eine aufwendig gestaltete und textlich überarbeitete Hardcover-Ausgabe. Perry Rhodans außerirdischer Kampfgefährte Atlan bekam bereits 1969 ebenfalls eine eigene Heftserie.

Im Jahr 1967 wagte sich der Moewig Verlag mit seinem galaktischen Helden erstmals auch auf den Comicmarkt – parallel zur Veröffentlichung des bislang einzigen Kinofilmes zur Serie, „Perry Rhodan – SOS aus dem Weltall“, einer mäßig erfolgreichen deutsch-italienisch-spanischen Gemeinschaftsproduktion unter der Regie des Trashspezialisten Primo Zeglio. Auf insgesamt 27 Hefte brachte es die unter anderem von Altmeistern wie dem Wahlitaliener Kurt Caesar gezeichnete Serie „Perry Rhodan im Bild“, bis sie bereits 1968 unter einem weniger altbackenen Titel neu gestartet wurde.

„Perry – Unser Mann im All“ behielt zunächst den eher konventionellen Charakter der Vorgängerserie bei, wandelte aber ab Heft 37 radikal sein Erscheinungsbild. Auf Kurt Caesar und Kollegen folgte nun das in Rom beheimatete Studio von Alberto Giolitti, dessen international operierende Zeichnerriege, übrigens zum Entsetzen vieler Fans, mit gewagten, an der Pop Art orientieren Seitenlayouts und einer bis dato im Perry-Universum unbekannten sexuellen Freizügigkeit in der Darstellung der weiblichen Charaktere aufwartete.

Als die Serie 1975 schließlich eingestellt wurde, dauerte es mehr als 25 Jahre, bis Pabel Moewig erneut einen Perry Rhodan-Comic startete. Aber nur vier Ausgaben erschienen 2002/03 von der von Karl Altstaetter gezeichneten Reihe, die dann durchaus zu Recht schnell wieder in der Versenkung verschwand. Ein weiterer Neustart im Jahr 2006 verlief da schon erfolgreicher. Die jungen Zeichner und Texter von der Hamburger Alligatorfarm knüpften nicht nur in der Numerierung wieder an die Kultserie der siebziger Jahre an, sondern auch stilistisch und inhaltlich – freilich unter Wahrung einer durchaus ironisch-kritischen Distanz. Sehnsüchtig erwartet wird von den Fans nun aber vor allem eine weitere neue Comicversion aus der Feder (oder besser dem Computer) von Splitter-Frontmann Dirk Schulz, der seit 2002 schon zahlreiche Cover der Romanheftserie gestaltet hat.

Helmut Kronthaler

Klicken Sie bitte auf die Bilder für eine vergrößerte Ansicht!

 

zurück zu den Ausstellungen